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WELTWIRTSCHAFT
Teilerfolg der staatlichen Förderungsprogramme aber kaum glaubwürdige Ausstiegspläne und stagnierender Privatkonsum
Gemäss den Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte das kumulierte Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Weltwirtschaft in 2010 4,2% (09: -2,2%) wachsen. Die vorlaufenden Indikatoren der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) deuten auf eine Erholung der Weltwirtschaft hin, deren mittelfristige Nachhaltigkeit aber ungewiss ist. Gemäss der OECD erholt sich der Welthandel nach einem Rückgang um 12,2% im Volumen und um 23% im Wert im Jahr 2009. Die jüngste Erholung der Industrieproduktion konzentriert sich auf Asien (China, Indien, Südkorea, Taiwan, Japan) und Brasilien, während sie sich in den USA und in Europa stabilisiert.
Die öffentlichen Subventionsprogramme haben die In- und Exporte von Fahrzeugen begünstigt. Die Situation der globalen Autohersteller hat sich stabilisiert, obwohl noch Überkapazitäten und relativ hohe Fixkosten vorliegen. Gemäss der Agentur Moody wird dieser Industriesektor in 2010 um 2% wachsen. Die infolge der isländischen Vulkanaschewolke verursachten Ertragsausfälle der Fluggesellschaften sind schwierig abzuschätzen.
In den Industrieländern nimmt der Privatkonsum nur leicht zu, das Inflationsniveau bleibt tief. Würde sich die Wirtschaftserholung aber verstärken, dürfte die Inflationsbekämpfung zu einer heikle Aufgabe der Zentralbanken werden. Eine geldpolitische Straffung (Zinserhöhung, Kontraktion der Geldmenge) und Wertkorrekturen an den Börsen wären die Folgen. Der Abschreibungsbedarf im weltweiten Bankensystem ist nach wie vor als erheblich einzustufen.
Das Jahr 2009 wurde durch einen starken Aufwärtstrend der Preise von Rohstoffen (Rohöl, +58%), Basis- und halbfertigte Metallen (Kupfer +120%, Blei +128%, Aluminium +42,8%) und von einigen Agrarprodukten (Zucker +96%, Kakao +28%, Baumwolle +50%) geprägt. Für die Preisentwicklung der Basismetalle waren zuerst die staatlichen Infrastrukturprogramme und ein strategischer Lageraufbau als Vorwegnahme einer zukünftigen Angebotsverknappung verantwortlich. Der starke Anstieg des Goldkurses (Apr. 10: 1139 $/Unze) liegt erstens im privaten und staatlichen Interesse an Gold als Diversifizierungsmittel infolge einer weltweiten lockeren Geldpolitik und den erneuten Inflationsbefürchtungen, und zweitens im andauernden Rückgang der Goldförderung begründet.
Die globale Krise und der einhergehende Nachfragerückgang hat das strukturellen Angebotsproblem bei Rohöl (Preis Apr. 10: 86 $/Fass Brent) und Gas vorübergehend entschärft.
Derzeit sind aber bei einigen Rohwaren (Rohöl, Kupfer, Eisenerz) Zeichen einer Spekulationsblase erkennbar. Das Spannungsfeld zwischen verteuerten Rohwaren und „komatösen“ Märkten vieler Endprodukte ist gefährlich: entweder steigt die Nachfrage an, oder die Preise von Rohwaren müssen fallen. Blei (-9%), Zucker (-39%) und Kakao (-10%) erleben schon eine Umkehrung der Tendenz seit Anfangs 2010.

  
Mai 2010
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